Game-Streaming: Googles und Microsofts Versuch

Neben Nvidia und Sony wollen nun auch Google und Microsoft ins Game Streaming einsteigen. Dazu soll kein Gaming PC mehr notwendig sein, versprechen beide selbstbewusst. Doch kann das wirklich funktionieren? Wir haben uns auch die Services, die jetzt schon verfügbar sind, angeschaut und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis.

Im Überblick:
Microsoft xCloud
Google Project Stream
Sony PlayStation Now
Nvidia GeForce Now
FAZIT

Der Traum eines jeden PC-Gamers: Mit der jahrealten Mühle weiter die aktuellsten Games zocken! Und das ohne Grafikkarten oder RAM-Aufrüstung? Das versprechen gerade wieder zwei IT-Giganten. Sowohl Microsoft als auch Google wollen am Cloud-Gaming-Kuchen mitnaschen. Das Prinzip des Game Streamings ist bei allen Services gleich:

  • Das Game ist auf einem Server des Anbieters gespeichert und wird dort ausgeführt.
  • Das Video des Spiels wird auf das Endgerät gestreamt.
  • Die Controller-Eingaben werden zum Server übertragen.

Microsoft xCloud

Zumindest Microsoft hat bereits langjährige Erfahrung als Spielekonsolen-Hersteller. Die Xbox ist bereits in der 3. Generation und das sehr erfolgreich. Doch der Windows-Konzern aus Redmond will sich damit nicht zufriedengeben. Microsoft sieht seine Chancen als Cloud-Dienstleister. Ideal wäre es für den Softwareriesen, könnte man sein Gaming Knowhow mit der Infrastruktur der eigenen Azure Cloud verbinden. Der von Microsoft angekündigte Streaming-Dienst läuft unter dem Arbeitstitel „xCloud“. xCloud streamt Xbox-Titel über die Cloud. Als Endgeräte sollen sowohl PCs als auch Smartphones und Tablets unterstützt werden. Die Eingabe erfolgt entweder über einen Xbox-Controller oder über den Touchscreen des Mobilgerätes. Technische Details oder die unterstützten Spiele wurden noch nicht bekannt gegeben. Lediglich der Start der Testphase ist bekannt: 2019 soll’s losgehen.

Google Project Stream

Und auch Google hat enthüllt, einen Streaming-Service entwickelt zu haben. Googles Dienst, derzeit noch „Project Stream“ benannt, wird im Chrome-Browser ausgeführt werden. Wie auch bei Microsofts Streaming Dienst und im Grunde wie bei jedem anderen, ist auch bei Project Stream eine schnelle Internetverbindung Voraussetzung für ruckelfreies Spielen. Immerhin hat Google Details mitgeliefert. Für Gaming ohne Latenzen ist eine Anbindung mit 25 Mbit pro Sekunde nötig. Und über diese Geschwindigkeit verfügt längst nicht jeder.

Sehen wir uns mal an, wie das Cloud-Gaming bei Sony und Nvidia aussieht. Nvidia (GeForce NOW) und Sony (PlayStation Now) betreiben bereits eigene Cloud-Gaming Dienste:

Sony PlayStation Now

Sony ist mit PS Now seit etwas mehr als einem Jahr auch in Deutschland und Österreich verfügbar. PS Now ermöglicht es, PlayStation Spiele auf PS4 oder PC zu streamen. Großer Nachteil ist jedoch, dass man ausschließlich auf die Konsolen Games beschränkt ist – zum Preis von 15 Euro im Monat. Ein etwas happiger Preis für die wenigen aktuellen PS4 Games. Denn unter den 500 Titeln befinden sich zwar unterhaltsame, aber grafisch wenig ansprechende PS2 und PS3 Klassiker.

Nvidia GeForce NOW

Nvidias Service befindet sich noch in der Betaphase, dafür kann aber kostenlos getestet werden. Die Voraussetzungen zum sofortigen Zocken sind nicht ganz so glatt. In dieser Phase kann GeForce NOW derzeit nur 4 Stunden am Stück gespielt werden. Verfügbar ist der Dienst vorerst auf PC, Mac und Nvidia Shield. Weitere Hürden für die Beta-Tester: Das Spiel muss bereits bei Steam, Battle.net oder Uplay gekauft worden sein, um es streamen zu dürfen. Anschließend muss es lokal installiert werden – auf dem virtuellen PC, der sich in der Cloud befindet. Könnte etwas kompliziert werden, wenn die endgültige Version so bleibt… Außerdem können sich nur Shield Besitzer direkt für die Beta anmelden. Um auf PC oder Mac spielen zu können, muss man sich auf die Warteliste setzen lassen. Auch ein Erscheinungsdatum für GeForce NOW wurde noch nicht angekündigt.

FAZIT

Wir müssen neidlos zugeben, dass der PlayStation Now Dienst ausgereift ist und auch tatsächlich funktioniert. Wer ohnehin lieber auf der Konsole zockt oder seine alten PlayStation Klassiker wiederbeleben möchte, kann sich freuen. Jedoch: Egal, ob man nun die Konsole oder den Gaming PC in der Cloud bevorzugt, ein Vergnügen ist es nur dann, wenn auch die Internetverbindung es zulässt. Das flüssige Streamen des Games und viel wichtiger die schnelle Responsezeit, vor allem in Rennspielen und schnellen Multiplayer-Shootern steht und fällt mit der entsprechend schnellen Leitung. Wer nicht auf eine gute Internetverbindung zurückgreifen kann, dem bleibt wohl nichts anderes übrig, als auf seinen eigenen Gaming PC zu setzen. Auch die Rechenleistung aus der Cloud ist zwar verlockend, jedoch sollte man sich nicht blind auf Cloud-Dienste verlassen. Auch in Zukunft nicht. Denn wie wir nur zu oft erfahren haben, fallen auch große Rechenzentren schon mal aus. Und viele Software- und Gameentwickler behalten sich vor, Cloud-Dienste oder Gameserver mangels Erfolgs einzustellen. Daher: Lieber die Maus des eigenen Gaming PCs in der Hand als den Cloud Rechner unter dem Dach eines Softwaregiganten… oder so ähnlich… 😉

Ein Gedanke zu „Game-Streaming: Googles und Microsofts Versuch

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