Musik auf YouTube und das Urheberrecht

Geplantes EU-Urheberrecht:

Droht das Aus für YouTuber und Streamer?

YouTube reagiert jetzt auf die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Uploadfilter zum Urheber-Schutz. Mit drastischen Folgen für europäische YouTuber.

Erst vor wenigen Wochen hat Susan Wojcicki mit einem Blogeintrag in der Welt der YouTuber und Video Produzenten Panik ausbrechen lassen. Das war eine Reaktion auf die Ankündigung eines neuen EU-Gesetzes zum Schutz des Urheberrechts. Die EU-Kommission hatte behauptet, für Nutzer ändere sich nichts.

Die YouTube-Chefin geht daraufhin in die Offensive und malt gleich den Teufel an die Wand. In einem Interview spricht sie Tacheles. Sie droht damit, Videos, bei denen die Urheberrechte nicht eindeutig geklärt sind, für europäische YouTube-Nutzer auf Dauer zu sperren. Auch das Music Video, „Despacito“, das derzeit 5,7 Milliarden Aufrufe zählt, könnten europäische User dann nicht mehr wiedergeben.

Music Copyright Infringement: Künftig soll der Betreiber haften

Grund für diese Hiobsbotschaft ist die sehr streng ausgelegte EU-Urheberrechtsnovelle. Diese verlangt, dass der Betreiber einer Website für Urheberrechts-Verletzungen haften müsse. Mit Content ID verfügt Google bzw. YouTube zwar über eine relativ zuverlässige Technologie. Mit deren Hilfe kann die Site unlizenzierten Content ausfindig machen und bereits vor dem Upload verhindern. Trotzdem ist die Angst vor Klagewellen groß. Selbst für die größte Videoplattform und gleichzeitig zweitgrößte Suchmaschine der Welt ist das nicht zu verkraften.

Bisher gilt das sogenannte Providerprivileg. Das bedeutet, dass Plattformbetreiber nicht direkt für Vergehen ihrer Nutzer haften. Stattdessen müssen sie reagieren, sobald sie auf deren Vergehen hingewiesen werden. Das „Notice-and-Takedown-Prinzip“ soll laut EU-Kommission somit nicht mehr gelten. Der Betreiber hätte dann für Verstöße der Nutzer geradezustehen.

Europäische YouTuberinnen und YouTuber könnten durch die Röhre schauen

Die Lösung scheint zu sein, dass YouTube sein offenes Modell überdenkt. Damit wäre die ursprüngliche Idee von „You“-Tube wohl dahin. Keine Millionen von aktiven Nutzern, sondern nur mehr eine Handvoll Medien-Partner. Denn auch Content ID funktioniert nicht völlig lückenlos. Bei bekannten Songs großer Musik-Verlage oder bei Filmen kein Problem – schwierig wird es bei den Rechten anderer Nutzer. YouTube kann nicht mit jedem Nutzer oder Rechteinhaber individuelle Verträge abschließen. Jeder „Content-Creator“ hat die Rechte an seinem eigenen geistigen Eigentum. Denn auch die kreativen Schöpfungen aus der Community werden sehr oft von anderen aufgegriffen und in deren Videos thematisiert. Das heißt, dass grundsätzlich jeder Nutzer, der ein Video hochlädt, die Rechte anderer Nutzer verletzen könnte. Sei es in Form von Text, Video oder Musik.

Wenn das Gesetz so durchgeht, drohen nicht nur YouTube Urheberrechts-Klagen. Grundsätzlich kann jede Website für Urheberrechtsverstöße haftbar gemacht werden. Ein gutes Beispiel gerade für Let’s Player und Streamer ist Twitch. Gerne wird von Streamern vor Beginn des Streams Musik gespielt.

Vorsicht bei Music in YouTube Videos oder Twitch Clips!

Urheberrechtlich geschützte Musikstücke öffentlich wiedergeben, ohne eine GEMA Vereinbarung, ist nicht die beste Option. Und die meisten Streamer machen sich darüber keine Gedanken. Besonders problematisch sind dabei die gespeicherten Clips auf Twitch, die oft nur einige Sekunden lang sind. Somit hat die Plattform mehr Zeit, urheberrechtlich geschützte Inhalte aufzuspüren. Im Juni wurden mehrere Twitch-Streamer für 24 Stunden gesperrt, weil sie Musik des US-Rappers Juice Wrld unrechtmäßig auf ihrem Kanal abspielten. Um „Copyright Infringement“, also Urheberrechtsverletzung zu vermeiden, geben wir Streamern den Tipp, auf die Musik der Twitch Music Library zurückzugreifen. Diese ist GEMA-frei bzw. hat die Plattform die Rechte mit den Urhebern geklärt. Diese Musikstücke werden euch von Twitch kostenlos zur Verfügung gestellt.

Noch ist aber nicht aller Tage Abend und das Gesetz erstmal ein Gesetzesvorschlag. Es bleibt spannend, ob das Gesetz so verabschiedet wird. Mit Sicherheit wird es eine Lösung geben, denn was wäre das Leben ohne YouTube?